Kampagne von
X-tausendmal quer
und KURVE Wustrow

Fotos der Blockade

Am Sonntag, 23. Okt.2011, übernahm die oekumenische Initiative Gorlebener Gebet eine Blockade von 12-15.30 Uhr vor den Toren des Schwarzbau-Endlagers Gorleben. Wir waren an 2 Toren bis zu je 30 Teilnehmende.

Am Seitentor Nr.6 haben wir alte Tagebücher der Gorlebener Gebetsandachten, die seit 22 Jahren an jedem Sonntag gehalten werden, aufgeschlagen und daraus Eindrücke von Teilnehmenden vorgelesen sowie aus der Geschichte des Gorlebener Gebets berichtet. Zwischendurch gab es Musik sowie gemeinsames Singen und Tanzen. Um 14 Uhr wurde traditionsgemäß eine Andacht gehalten, diesmal nicht im Wald unter den Kreuzen, sondern vor den Toren des sog. Erkundungsbergwerks. Eine besondere Erfahrung machten wir am Seitentor Nr.6:

Ein Polizeiwagen mit 6 jungen PolizeibeamtInnen hielt zu Beginn der Blockade kurz vor dem Tor, die PolizistInnen stiegen aus und beobachteten unsere Blockade. Ein Teilnehmer ging zu ihnen, kam ins Gespräch, bot ihnen Kaffee und Kuchen an und lud sie ein, sich in unseren Kreis zu setzen, mit uns zu sprechen und an unserer Andacht teilzunehmen. Nach einigem Zögern setzten sie sich in unseren Kreis, blieben bis zum Ende der Blockade und hörten sehr interessiert zu. Eine Polizistin bat am Schluss darum, eines der großen gelben Xe mit dem Gorlebener-Gebets-Logo mit nach Hause nehmen zu dürfen. Eine zweite Gruppe Polizeibeamter, junge Frauen und Männer, kam gegen Ende der Blockade und war wiederum längere Zeit im Gespräch mit uns. Wir verabschiedeten uns mit der Versicherung, dass es gut war, einander zu begegnen und mehr von einander zu erfahren.

Am Tor 1:

Es gibt nur eine Zukunft für uns alle nach Tschernobyl + Fukushima:

Die Atommüllproduktion und die Suche nach einer ethisch, wissenschaftlich und politisch vertretbaren Endlagerung gehören zusammen!
Aus der Verzweiflungsarbeit wird die Arbeit, die uns wieder verbindet,
Joanna Macy, Atomkraftgegnerin + Tiefenökologin, U.S.A.
Das Gorlebener Gebet hat auch das Tor 1 des Schwarzbaus „Erkundungsbergwerk“
am 23. Oktober blockiert. Von 12.00 - 16.00 Uhr haben wir Texte gelesen, diskutiert und uns ausgetauscht. Worte von Bert Brecht, Joanna Macy und Häuptling Seattle haben wir wieder erinnert oder neu in uns aufgenommen, sie unterstützen uns im Widerstand gegen die Atomanlagen und wir werden weiter protestieren.
Wir haben erinnert an die „verlorenen Kinder“ die aufgrund von ionisierenden
Strahlen im Umfeld von Gorleben und anderen Atomkraftwerken gar nicht oder mißgebildet zur Welt kommen und die Schädigung des Erbgutes wird sich im Lauf der Zeit beschleunigen, das belegen statistische Angaben über ionisierende Strahlen. Wir streiten für ihr Leben und ihre lebenswerte Zukunft, während das gute Leben unserer Kinder und Kindeskinder öffentlich auf dem Markt für Centbeträge an die Atomkraftbetreibergesellschaften verkauft wird.
Die aktuelle Diskussion über die Strahlenwerte in Gorleben wurde im Spiel von Milli Sievert + Herrn Dr. Fussel lebhart und „glaubwürdig“ dargestellt. Regie hatte Brita Kärner, die auch Milli Sievert höchstpersönlich darstellte.
Wir waren uns einig: Interesse und Geld für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Fehler, die in der Asse und Morsleben gemacht worden sind, sind nicht vorhanden, das bedauert auch Wolfram König, Präsident des BfS. Und die Atomkraftindustrie produziert weiter Müllabfall, dessen „End“lagerung weltweit ungeklärt ist. Der Atommüll ist die schädlichste, langlebigste Gefahr, die von unserer Generation zurückgelassen wird. Den Atommüll unterirdisch zu lagern heißt ihn aus den Augen, aus dem Sinn zu schaffen, das ist Verrat an zukünftigen Generationen.
Das Lesen der Texte, und die Lieder aus dem lateinamerikanischen Widerstand und der Rede des Häuptlings Seattle haben uns begleitet.
Generationengerechtigkeit kann gelingen, wenn wir beim Handeln das Wohl der 7. Generation im Blick haben, das können wir aus den Traditionen der indigenen Völker lernen.